Straub, Jürgen: Psychotherapie zwischen Heilung, Prothese und Selbstoptimierung

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Komplexität und Polyvalenz einer professionellen Praxis im 21. Jahrhundert

Traditionell werden wissenschaftlich fundierte Psychotherapien, ungeachtet ihrer vielfältigen Unterschiede, als "Pflege der Seele" aufgefasst. Von dieser professionellen Praxis verspricht man sich vornehmlich heilende Wirkungen. Diese Sicht geht mit der begründeten Annahme einher, dass "Patienten", "Klienten" oder "Analysanden" leidende oder zumindest bedürftige Personen sind. Deren Erlebnis- und Handlungspotential so stark eingeschränkt ist, dass professionelle Hilfe angezeigt ist. Die in eigens eingerichteten, institutionalisierten therapeutischen Settings angebotene "soziale Unterstützung" wird – seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in bestimmten "westlichen" Kulturen zumindest – tatsächlich massenhaft in Anspruch genommen. Sie zeitigt keineswegs immer, aber doch vielfach die erhofften Wirkungen. Psychotherapie ist zweifellos ein Erfolgsmodell. Manche "Schulen" und "Strömungen" sind, gemessen an der (stets umstrittenen) empirischen Evaluation therapeutischer Verfahren, erfolgreicher als andere. Das sei hier dahingestellt.
Im Großen und Ganzen gilt: Psychotherapie ist etabliert und aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Sie ist, wie die Psychologie überhaupt, eine höchst einflussreiche Macht eigener Art.
All das ist "gut und schön" und in vielen modernen Gesellschaften wohl einfach notwendig, also unvermeidlich. Psychotherapien sind jedoch schon längst nicht mehr nur Heilverfahren für bedrängte und bedrohte, "gestörte" oder "erkrankte" Seelen. Der Wirkungskreis dieser vielfältigen Praxen überschreitet den Horizont der Psychopathologie und -therapie im engeren Sinne. Er erstreckt sich, wie im Vortrag ausgeführt wird, auf eine immer ausgedehntere Prothetisierung und Optimierung des Menschen. Die immer differenziertere Ausstattung des Menschen mit Prothesen findet keineswegs nur im materiellen Feld der Physis statt. Sie bietet nicht allein dort artifiziellen Ersatz oder allerlei Ergänzungen und Zusätze, sobald körperliche Defizite behoben werden sollen (sei es, dass solche Defizite als krankhafte Behinderungen oder Beeinträchtigungen, sei es, dass sie als ganz normale Grenzen des Menschenmöglichen in Erscheinung treten). Auch die prothetische Psychotherapie zielt auf Heilung und/oder auf Steigerung des "Normalen", "Funktionstüchtigen" und "Gesunden". In häufig unmerklichen Übergängen verschob und verschiebt sich der Zweck auch psychotherapeutischer Behandlungen immer mehr in Richtung einer unendlichen Optimierung der Seele und des Selbst (des Erlebens, Denkens, Fühlens, Wollens und Handelns von Personen). Auch psychotherapeutische Praxen sind – aktiv und sogar maßgeblich – in die Geschichte von Kulturen verstrickt, welche die Grenzen zwischen Heilung und Optimierung des Selbst zunehmend verwischen. In solchen Kulturen werden die "auteronomen Subjekte" permanent unter Druck gesetzt. Sie sollen vom eigenständigen oder professionell unterstützten Versuch einer unendlichen Selbst-Verbesserung nicht mehr ablassen. Dieser Druck zehrt von einem, wie im Vortrag gezeigt wird, höchst ambivalenten, vielleicht aporetischen Versprechen: Wer sich in den Strudel einer unendlichen Steigerungsspirale der Selbst-Optimierung begibt, so heißt es, mache sein Glück. Zumindest finde er viele an persönliche Erfolge gekoppelte, glückliche Momente und erfüllende Augenblicke gleich reihenweise. Zu diesem Versprechen können und sollten sich psychotherapeutische Akteure reflexiv und kritisch verhalten.

Jürgen Straub, geb. 1958, Prof. Dr. phil., ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie in der der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr Universität Bochum (RUB). Von April 2011 bis September 2013 war er Dekan dieser Fakultät. Seit August ist er (neben Dr. Pradeep Chakkarath) Ko-Direktor des Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie (KKC) in der RUB. Im September 2015 wurde ihm in Salzburg der Ernst-Boesch-Preis für Kulturpsychologie verliehen, www.sowi.rub.de/soztheo/.

Vortrag im Rahmen des 16. Jahreskongresses der GwG "Gesellschaft und Psyche", 10. - 12. Juni 2016 in Bochum, ca. 80 Min. auf 2 CDs oder 1 DVD.

 

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